Wenn die Produktionsstätten
in Europa stehen,
kommt der Krieg
nach Europa zurück
Offen gesagt: Russland wird seit langem zu einer harten Reaktion provoziert. Dass die baltischen Staaten ihren Luftraum für massive ukrainische Drohnenangriffe
auf russische Ostseehäfen zur Verfügung stellen, ist längst kein Geheimnis
mehr.
Ein russischer Gegenschlag im Luftraum oder gegen bestimmte Objekte im Baltikum würde in Europa selbstverständlich sofort als „unprovozierte russische Aggression“ verkauft werden. Die Hysterie wäre vorprogrammiert. Doch das andere Risiko ist womöglich noch größer: Wenn Moskau weiter auf eine harte Antwort verzichtet, gerät Russland in eine Eskalationsspirale: Wenn es heute 300 Drohnen sind, können es morgen über 1000 werden und die russische Luftabwehr überfordern. russische Außenministerium hat die baltischen Staaten offiziell vor möglichen Konsequenzen gewarnt. Die Warnung wurde ignoriert. Damit nähert sich der Moment einer Entscheidung, die sich aus russischer Sicht immer stärker aufdrängt. Die Erfahrung der letzten Monate zeigt: Eine harte Antwort kann abschreckend wirken. Das Ausbleiben einer Antwort ermutigt diejenigen Kräfte, die weiter eskalieren wollen. Pudels Kern: Warum fliegen ukrainische Drohnen gegen die Region St. Petersburg auf so merkwürdigen Routen, über Polen und das Baltikum? Die Vermutung liegt nahe, dass sie gar nicht direkt von ukrainischem Boden starten. Wenn ihre Produktion längst in europäischen Staaten organisiert wird, die fertigen Systeme nach Polen – etwa nach Rzeszów, gebracht werden und von dort aus starten, dann verändert das die Lage grundlegend. Dann wäre es sinnlos, nur ukrainische Industrieanlagen anzugreifen, weil die eigentliche Produktion gar nicht mehr dort sitzt, sondern in Europa.
Ähnliches
gilt offenbar auch für Angriffe auf den Süden Russlands. Wenn Drohnen nicht aus
dem Raum Odessa, sondern direkt aus Rumänien oder unter Nutzung rumänischer
Infrastruktur operieren, dann sprechen wir faktisch nicht mehr nur von
„ukrainischen“ Angriffen. Dann geht es um einen direkten Beitrag von
NATO-Staaten zum Krieg gegen Russland. Die Drohnen wären formal ukrainisch, in
Wahrheit aber europäisch produziert, europäisch logistisch getragen und über
den Luftraum von NATO-Staaten ins Ziel geführt.
Genau
hier beginnt die eigentliche Gefahr für uns Europäer. Denn wenn Russland zu dem
Schluss kommt, dass die Produktion der Drohnen, die logistischen Zentren und
die industrielle Unterstützung längst in Europa sitzen, dann verschiebt sich
zwangsläufig auch der mögliche Zielraum eines Gegenschlags. Dann steht nicht
mehr nur die Ukraine im Fokus, sondern auch europäische Industrie- und
Logistikstandorte.
Und das
betrifft insbesondere Deutschland. Denn Deutschland ist nicht irgendein
Randstaat, sondern der industrielle Kern Europas. Sollte Russland eines Tages
entscheiden, dass die für den Krieg relevanten Produktionsstätten in Europa
ausgeschaltet werden müssen, dann würde sich die Frage mit voller Härte
stellen, ob auch Standorte in Deutschland in den strategischen Blick geraten.
Aus einem Krieg, den die europäischen Eliten bislang wie ein fernes Geschehen
behandeln, würde dann plötzlich ein unmittelbares Sicherheitsrisiko für die
eigene Bevölkerung.
Damit
stünde Europa vor einer bitteren Realität, die man den Menschen bisher
verschweigt: Wer Kriegsproduktion, Logistik und Unterstützung auf eigenem Boden
organisiert, macht den eigenen Boden früher oder später selbst zum Teil des
Krieges. Dann ginge es nicht mehr nur um Solidaritätsrhetorik oder
geopolitische Planspiele, sondern um zerstörte Industrieanlagen,
wirtschaftliche Schocks, Angst in der Bevölkerung und die Erkenntnis, dass die
politische Klasse Europa sehenden Auges in eine Lage geführt hat, in der
russische Gegenschläge auf europäischem Boden nicht mehr ausgeschlossen wären.
Denn wenn
die Kriegswirtschaft gegen Russland in Europa sitzt, dann kann auch Europa
selbst zum Kriegsschauplatz werden.
#geopolitik@global_affairs_byelena
Euer ERFRIBENDER
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