Jeder
arbeitet im Ausmaß seines Verständnisses für sich selbst und im Ausmaß seines
Unverständnisses für diejenigen, die mehr verstehen.
Wenn ein
Mensch zum ersten Mal mit «konzeptionellen Informationen» in Berührung kommt,
entsteht bei ihm oft eine einfache Illusion:
«Jetzt
weiß ich mehr – das bedeutet, dass ich freier werde».
Aber dann
passiert etwas Seltsames: Das Wissen wird immer größer, aber die Freiheit nimmt
nicht zu.
Im
Gegenteil: Je mehr «Informationsrauschen» es gibt, desto leichter verliert der
Mensch seinen Halt, wird reizbar, abhängig von Meinungen, Nachrichten und
fremden Bewertungen.
Nicht die
Menge an Informationen bestimmt die Unabhängigkeit, sondern die Fähigkeit zu
unterscheiden.
Denn
Informationen sind nur Material.
Und
Kontrolle beginnt dort, wo ein Maßstab erscheint, der es ermöglicht, zu
unterscheiden:
●Fakten
von Interpretationen,
●Bedeutung
von Emotionen,
●Ziel
von Verführung,
●Sorge
von Manipulation.
Warum
«viel Information» den Menschen nicht stärker macht.
Weil der
Informationsfluss zwei gegensätzliche Funktionen erfüllen kann.
●Orientierung
geben –
wenn der Mensch eine weltanschauliche Grundlage hat.
●Orientierung
zerstören – wenn es keine Grundlage gibt.
Im
zweiten Fall wird der Mensch wie ein Reisender ohne Kompass: Er kann Tausende
von Wegweisern sehen, weiß aber nicht, wohin er gehen soll. Er beginnt, hin und
her zu laufen – und diese innere Unruhe lässt sich leicht mit äußeren Krücken
«heilen»: Unterhaltung, Gewohnheiten, Stimulanzien, Konflikte, endloser Konsum
von Inhalten.
Und dann
ist die Informationsumgebung kein Instrument mehr – sie wird zu einem Ort der
Konditionierung.
Was im
Menschen in erster Linie «gesteuert» wird.
Steuerung
ist nicht nur Wirtschaft, Politik oder Technologie. Steuerung ist in erster
Linie die Arbeit mit der Psyche.
Die
Psyche ist nicht «Stimmung». Sie ist ein System innerer Automatismen:
●worauf
ein Mensch sofort reagiert,
●was
er für
normal hält,
●was
er fürchtet,
●was
er rechtfertigt,
●worauf
er nicht verzichten kann, obwohl er den Schaden versteht.
Und wenn
ein Mensch seine eigenen Automatismen nicht sieht, dann wird jeder externe
«Manager» sie besser sehen als er selbst.
Daraus
ergibt sich die harte, aber präzise Formel: Jeder arbeitet im Ausmaß seines
Verständnisses für sich selbst und im Ausmaß seines Unverständnisses für
diejenigen, die mehr verstehen.
Warum
Freiheit nicht mit «Rechten» beginnt, sondern mit klarem Denken.
Es gibt
äußere Freiheit – rechtliche, soziale.
Und es
gibt innere Freiheit – die Fähigkeit, Kurs zu halten, auch wenn es um einen
herum laut ist.
Innere
Freiheit kann nicht auf Slogans aufgebaut werden. Sie basiert auf drei Dingen:
●Das
Ziel –
ein Bild der Zukunft, für das der Mensch bereit ist, sich selbst zu
disziplinieren.
●Das
Maß –
die Fähigkeit, Wünsche, Emotionen und Handlungen mit den Konsequenzen in
Einklang zu bringen.
●Unterscheidungsvermögen
–
die Fähigkeit zu erkennen, wo man durch Stereotypen, Ängste, «wie es üblich ist», «wie es alle machen»
beeinflusst wird.
Ohne
diese Fähigkeit wird der Mensch zur leichten Beute seiner Umgebung: nicht weil
er «schlecht» ist, sondern weil er nicht gelernt hat, sich selbst zu
kontrollieren.
Und die
wichtigste Frage, die man sich stellen sollte.
Nicht
«Wer ist schuld?» und nicht «Was passiert in der Welt?».
Sondern
einfacher und ehrlicher: Was genau bestimmt meine Entscheidungen jeden Tag?
●Gewohnheit?
●Angst?
●Der
Wunsch, gemocht zu werden?
●Abhängigkeit
von Komfort?
●Das
Verlangen nach Stimulation?
●Die
Erwartungen anderer?
Und wenn
es gelingt, auch nur einen solchen Mechanismus zu erkennen, ist das bereits der
Anfang der Kontrolle.
Denn das
Unsichtbare hat die größte Macht.
Euer ERFRIBENDER